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Aber auch nach dieser Verurteilung der beiden rosminischen Schriften und der Unterwerfung Rosminis beruhigte sich die Lage nicht. Man wollte nicht nur zwei reformerische Werke verurteilt wissen, sondern das rosminische Denken als solches aus dem philosophisch-theologischen Studienplan verbannen. Auf weiteren Druck hin setzte Pius eine Kommission ein, die die rosminischen Schriften prüfte. Entgegen dem Bestreben von Rosminis Gegnern kamen die Examinatoren jedoch 1854 zu dem Ergebnis, dass die rosminischen Werke würdig sind, verkündet, nicht verboten zu werden (Dekret Dimittantur opera omnia [Alle Werke werden freigesprochen]). Eines der diesbezüglich abgegebenen Voten bezeugt die Profundität des rosminischen Denkens, die spekulative Qualität seines Ansatzes und die Bedeutung seines Denkens für die neuzeitliche Philosophie und Theologie: Die rosminische Theorie zerstört den Rationalismus, den Pantheismus, den Skeptizismus und den Objektivismus und ist aufs höchste dazu geeignet, jeden anderen philosophischen Fehler zu widerlegen. Mit einem Wort, sie ist vor jedem Fehler immun und erklärt jedem Fehler den Krieg. Dieses Urteil mag angesichts der ein Jahrzehnt lang gegen Rosmini erhobenen Vorwürfe erstaunen. Einerseits wirft man Rosmini vor, in theologischen und (kirchen-)politischen Fragen durch das moderne Denken kompromittiert zu sein; andererseits spricht man seine Werke von diesen Vorwürfen frei und erklärt sie jeden Fehlers erhaben. Doch ist diese Ambivalenz nichts als der Ausdruck, dass man mit der rosminischen Denkfigur nicht recht umzugehen wusste; Rosminis Spagat, das traditionell-christliche Denken mit der Neuzeit zu vermitteln, war vielen zu wenig eindeutig und griffig bzw. bot zu viele Angriffspunkte gegen ein streng traditionell-restauratives Denken. Die Problematik bringt der Sekretär der Indexkongregation im Jahr 1850, also kurz vor der Eröffnung des esame der rosminischen Werke, gut zum Ausdruck, wenn er schreibt: Er ist sicherlich orthodox, aber seine Sprechweise macht zu sehr den Eindruck der Neuheit in theologischen Fragen. Daher hoffe ich, dass er sich darin berichtigen möge. Und ein anderer: Die Neuheit des Systems, die obskuren Begriffe, welche besser nicht in Lehre und Gebrauch angewandt worden wären, die Sprechweisen, die in den philosophischen Abhandlungen noch niemals gebraucht wurden, das Bedenken des Wissbaren und das Sprechen darüber gemäß des vorgefassten Systems und jenes auf dieses zurückführen zu wollen, all dies hat bereits den Zweifel daran heraufgerufen, ob die Lehren eines solch bekannten Autors für die Gesellschaft, die Religion und die Wissenschaft nicht verderblich seien; all dies hat bei den rechten, oder sagen wir ruhig [ ] bei den überempfindlichen Gemütern die Überzeugung hervorgerufen, dass die Fehler, derentwegen die beiden genannten Werke verboten wurden, in einer größeren Zahl auch in den anderen Werken verbreitet seien. Rosmini, der nach dem Scheitern seiner politischen Mission zu seinen Ordensbrüdern nach Stresa am Lago Maggiore zurückgekehrt war, nutzte die letzten Lebensjahre zu einer weiteren imposanten Schaffensphase. Dort war ihm 1848 von einer Gräfin eine Villa direkt am See vermacht worden. Heute unterhalten dort die Rosminipatres die Bibliothek und das Studienzentrum. Bis zu seinem Tod am 1. Juli 1855 verfasste Rosmini dort seine großen spekulativen Werke; so schrieb er v.a. an seiner letztlich doch unvollendet gebliebenen Teosofia weiter, weiterhin verfasste er einige Schriften, die sich direkt aus seinen theosophischen Überlegungen ergaben, wie beispielsweise den Saggio storico critico sulle categorie [Historisch-kritische Abhandlung über die Kategorien]. Er schrieb die Logica und verfasste eine Art intellektuelle Autobiographie, einen Rückblick über die Intention seines philosophisch-theologischen Lebenswerkes (Degli Studi dellAutore). Zudem hinterließ er einige profund spirituelle Werke, sodass auch und gerade am Ende seines Lebens nochmals die große Einheit deutlich wird, in der Rosmini stets Theorie und Praxis, Theologie und Spiritualität, Philosophie und Nächstenliebe, Veritas und Caritas verstand.
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