Cattedra “Antonio Rosmini“ | Lehrstuhl "Antonio Rosmini"
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Der Lehrstuhl “Antonio Rosmini” als “Videolehrstuhl”

Wiedereröffnet im Jahr 2008 unter der Leitung von Prof. Markus Krienke, präsentiert sich der Lehrstuhl „Antonio Rosmini“ des Instituts für angewandte Philosophie der Theologischen Fakultät Lugano in neuem Licht, und zwar als „Videolehrstuhl“, einem bislang einzigartigen Projekt innerhalb der klassischen Kathederphilosophie: die Kurse zum Denken Rosminis werden nicht mehr in der klassischen Uni-aula abgehalten, sondern vor der Kamera. Bevor diese auf Sendung geht, sind die Kurse bereits ab Mitte Juni von der Seite www.cattedrarosmini.org abrufbar.

Die erste der beiden Sektionen dieses „Videolehrstuhls“ widmet sich ausschließlich dem Rosminischen Denken und schlägt einen neuen interpretativen Zugang vor: es geht darum, Rosmini direkt in unsere Zeit hineinsprechen zu lassen, seine Stimme heute lebendig zu machen. Dies ist durchaus nicht die klassische Weise, die darin besteht, die verschiedenen Sachbereiche des Rosminischen Denkens nach den jeweiligen Einzelaspekten aufzuteilen und sie getrennt voneinander zu behandeln. Hieraus ergäbe sich vielmehr einen „politischen Rosmini“, einen „juristischen Rosmini“, einen „metaphysischen Rosmini“ usw., ohne dass daraus die Denkform deutlich würde, welche diese ganzen Bereiche durchdringt und ihnen jenen Charakter verleiht, Teil der einzigen und globalen Gesamtperspektive Rosminis zu sein. Diese „neue Interpretation“ Rosminis ist davon überzeugt, dass nur dann, wenn es gelingt, den „Geist“ des Rosminischen Denkens hinter dessen verschiedenen Anwendungen auf den politischen, ökonomischen, sozialen ecc. Bereich zu entdecken, es auch möglich wird, im Rosminischen Text weiterführende Anhaltspunkte und Reflexionen für die aktuellen Probleme auf allen Ebenen des „Sozialen“ heute auszumachen.

Genau hierin besteht das Projekt der „anderen Metaphysik“: Rosmini schrieb seine Metaphysik nicht aus purem theoretischen Interessen, sodass daraus eine weltabgewandte, nicht anwendungsfähige Metaphysik resultierte, sondern er war davon überzeugt, dass nur eine solide umfassende und einheitliche Perspektive dem Denken den notwendigen Grund verleiht, um die sozialen und angewandten Probleme konfrontieren zu können.

In diesem Sinn ist der Lehrstuhl „Antonio Rosmini“ daran interessiert, das Denken Rosminis in der doppelten Stoßrichtung zu betrachten, einerseits dessen theoretisch-metaphysischen Begriffe zu eruieren, um die Denkform Rosminis sodann in allen Bereichen seines praktischen Denkens herauszustellen – vornehmlich in dessen politischem, ökonomischem, juridischem, anthropologischem und kulturellem Aspekt.

In didaktischer Hinsicht werden die Kurse auf verschiedenen Niveaustufen angelegt: einerseits führen sie in das Rosminische Denken ein und stellen die notwendigen Instrumentarien bereit, um dieses verstehen zu können. Andererseits werden auch die schwierigeren Aspekte der Systematik dieses Denkers unter die Lupe genommen und dessen Beitrag als einen gültigen und konsistenten Beitrag zur aktuellen philosophischen und sozialethischen Debatte dargestellt.

Für die televisive Realisierung dieses Programmes wurde ein wissenschaftlicher Beirat um den Rosmini-Lehrstuhl herum eingerichtet, der aus folgenden bekannten Rosminiforschern besteht: Salvatore Muscolino, Giulio Nocerino, Gian Luca Sanna, Silvio Spiri, Samuele Tadini und Markus Krienke.

Diese Kenner des Rosminischen Denkens präsentieren das Projekt der „anderen Metaphysik“ gemäß sieben Grundausrichtungen:

(1) das erkenntnistheoretisch-epistemologische Denken

(2) die philologische Grundfragestellung

(3) das politische Denken

(4) das ökonomisch-juridisch-kulturelle Denken

(5) das anthropologische Denken

(6) das philosophisch-theologische Denken

(7) das metaphysisch-theosophische Denken

Das Projekt: die “andere Metaphysik”

Der Lehrstuhl hat jedoch nicht nur die Intention, anhand der verschiedenen Kurse umfassend in das Denken Rosminis einzuführen und es außerhalb der Universität für die Gegenwartskultur zu erschließen. Gleichzeitig will der Lehrstuhl, der den Namen der großen italienischen Philosophen und Theologen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts trägt, einen neuen Zugang zu den Texten und zum Denken des Roveretaners erschließen: dieser wird mit dem Schlagwort der „anderen Metaphysik“ beschrieben. Demzufolge kann die Aufmerksamkeit für die Rosminische Analyse der verschienenen Kultursachbereiche der modernen und gegenwärtigen Gesellschaft – der Wirtschaft, der Politik, des Rechts etc. – nicht von jener umfassenden Gesamtperspektive getrennt werden, mit der sich Rosmini an die verschienenen Problemstellungen seiner Zeit annäherte. Das sozialethische Denken Rosminis, seine Aufmerksamkeit für die politischen, wirtschaftstheoretischen, anthropologischen, sozialen etc. Studien, kann mithin nicht sachgerecht erschlossen werden, ohne den „Geist“ des Rosminischen Denkens zu ergründen, seine „Denkform“, die seine umfassende Vision dieser verschiedenen Bereiche umfasst. Diese Perspektive begründet bei ihm keine weltabgewandte Metaphysik, welche sich formalistisch und realitätsfern präsentierte (genau dies kritisiert Rosmini an den rationalistischen Metaphysikansätzen der Spätscholastik und der Neuzeit), noch einen rational-wissenschaftlichen Ansatz, der die Pluridimensionalität der Wirklichkeit auf die Abstraktheit erster Prinzipien zurückführte (hierin kritisiert er das Projekt eines „rationalistischen“ Systems der Neuzeit). Entgegen dieser beiden Extreme erarbeitet Rosmini eine „andere Metaphysik“, welcher einerseits eine Modernisierung der klassischen Metaphysik unter Annahme der Herausforderung der modernen Kritik gelingt, die andererseits aber auch nicht das legitime Anliegen einer Metaphysik verabschiedet, sondern sucht, dem modernen Denken wieder eine universale Gesamtsicht zu erschließen, jene integrale Perspektive, welcher dieses nach und nach verlustig zu gehen riskiert.

Die inhaltliche Ausrichtung des Lehrstuhls “Antonio Rosmini”

Gemäß dieser Struktur des Projekts der „anderen Metaphysik“ stellt sich das Interesse des Lehrstuhls „Antonio Rosmini“ als ein zweifaches dar: einerseits geht es um die Förderung der Analyse und kritischen Durcharbeit der rosminischen Metaphysik, wie diese in der unvollendet gebliebenen Teosofia ausgeführt ist. Andererseits sollen die verschiedenen Aspekte der sozialethischen Arbeiten Rosminis ausgelotet werden, so sein politisches, ökonomisches, juridisches, anthropologisches Denken usw. Einerseits werden diese Aspekte in der neuen Gesamtperspektive der „anderen Metaphysik“ gelesen, andererseits aber auch vor dem Hintergrund aktueller Probleme und Fragestellungen reflektiert. Gerade die neue Brisanz der fundamentalen Fragestellungen dieser Bereiche im aktuellen Diskurs und die Neureflexion der abendländischen Institutionen entdecken das Rosminische Denken gerade in seiner Grundsätzlichkeit als aktuell.

Als solche setzen diese Analysen zwei propädeutische Projekte voraus, deren sich der Lehrstuhl „Antonio Rosmini“ ebenfalls annimmt: einerseits die philologische Revision der Texte des Roveretaners, insbesondere im Hinblick auf seine Rezeption des modernen Denkens; und andererseits die erkenntnistheoretisch-epistemologische Grundlagenfrage, wie sich die Denkform Rosminis nach Struktur und Relevanz in das neuzeitliche bzw. spätmoderne Denken einordnet.

Zur medialen Realisierung dieses Programmes bedient sich der Lehrstuhl eines wissenschaftlichen Beirates, dem neben dem Lehrstuhlinhaber die rennommierten jungen Rosminiforscher Salvatore Muscolino, Giulio Nocerino, Gian Luca Sanna, Silvio Spiri und Samuele Tadini angehören. Jedem dieser Studiosi des Denkens Rosminis ist ein Einzelaspekt des soeben geschilderten Gesamtprojekts anvertraut.

Der Lehrstuhl “Antonio Rosmini” und die Rosministudien

Offenkundig stellt ein solches Projekt, in der Einzigartigkeit seiner Realisierung, den Beginn einer „neuen Phase“ innerhalb der Rosministudien dar. Diese waren bislang durch ein spezifisches Vorverständnis geprägt, das bereits im Jahr 1888 zur Verurteilung der „Quaranta proposizioni“ aus den Werken Rosmini führte, und diese bis zur Rehabilitierung des Rosminischen Denkens im Jahr 2001 bzw. bis zur Seligsprechung des Roveretaners im Jahr 2007 konditionierte. Mit anderen Worten scheint es heute zum ersten Mal in der Wirkungsgeschichte des Rosminischen Denkens möglich, Rosmini und die Aktualität seines Denkens jenseits dieser Vorurteile zu bewerten. Diese Vorturteile hatten es vor allem stets verhindert, Rosmini in „direkter“ Weise in unsere Zeit sprechen zu lassen, und einen direkten Zugang zum Rosminischen Text zu gewinnen. Aus diesem Grund konstituiert sich die „vierte Phase“ in einem neuen historischen Umfeld und mit neuen akademischen und didaktischen Mitteln. Gleichzeitig versteht sie sich nicht als Entgegensetzung zu den vorangegangenen Phasen oder als deren Ersetzung, sondern als die letztendliche Verwirklichung der positiven Ansätze, die in den jeweiligen Phasen ausgearbeitet wurden.

Gerade in dieser Perspektive, welche die Kontinuität mit den vorangegangenen Phasen nicht unterbewertet, wurde seitens des Lehrstuhls eine enge Zusammenarbeit mit dem „Internationalen Rosminizentrum“ in Stresa am Lago Maggiore eingerichtet („Centro Internazionale di Studi Rosminiani“, www.rosmini.it), welche die vollständige Bibliographie der Schriften von und über Rosminis sowie das Rosminiarchiv beherbergt.

Der Lehrstuhl “Antonio Rosmini” und das Tessin

Gerade das Interesse für das „liberale“ und „ökonomische“ Denken Rosminis, das traditionell im Tessin verwurzelt ist, gibt dem Lehrstuhl „Antonio Rosmini“ die wertvolle Gelegenheit, neben der „globalen“ Dimension des Fernsehens auch die partikularen und spezifischen Forschungsinteressen fortzuführen, welche der unmittelbare lokale Kontext an den Lehrstuhl richtet. Gerne wird dieses Interesse am Lehrstuhl „Antonio Rosmini“ aufgenommen und durch eine Reihe von Forschungsprojekten sowie kulturellen oder akademischen Veranstaltungen umgesetzt. Demzufolge werden Tagungen, Studientage oder Diskussionsforen organisiert. Daneben ist bereits ein Forschungsprojekt zu „Rosmini im Tessin“ installiert, das sich der historischen Wurzeln annimmt, die Rosmini an diesen schweizer Kanton rückbinden.

Forschungsarbeiten, Abschlussarbeiten und Diplomarbeiten am Lehrstuhl

Als Teil des Institus für angewante Philosophie der Theologischen Fakultät Lugano bietet der Lehrstuhl „Antonio Rosmini“ die Möglichkeit, Forschungsprojekte durchzuführen bzw. akademische Arbeiten zur Erlangung der verschiedenen Grade, die das Institut verleiht, anzufertigen. Gerade die enge Zusammenarbeit mit dem Rosminizentrum im nahegelegenen Stresa bietet optimale Forschungsmöglichkeiten, solche Arbeiten am Rosminilehrstuhl in Lugano zu absolvieren.

Inhalt | Indice
Das Projekt

Die inhaltliche Ausrichtung

Der Lehrstuhl und die Rosminiforschung

Forschungsarbeiten


externe Links

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Cattedra „Antonio Rosmini“

www.cattedrarosmini.org